Genossenschaftswohnungen sind für viele die beste Antwort auf hohe Mieten: Die Miete soll nur die tatsächlichen Kosten decken. Gleichzeitig sind sie begehrt, und der Weg dahin unterscheidet sich von der normalen Wohnungssuche. In diesem Ratgeber findest du den Überblick, wie es in der Schweiz grundsätzlich läuft. Weiter unten verlinken wir vertiefende Artikel zu Zürich, Bern, Anteilscheinen und zur Bewerbung.
Was eine Genossenschaftswohnung ist
Bei einer Wohnbaugenossenschaft gehört das Haus nicht einem Investor, sondern der Genossenschaft, also den Mitgliedern. Wer dort wohnt, ist in der Regel Mitglied und besitzt Anteile am Genossenschaftskapital. Die Miete ist meist eine Kostenmiete: Sie muss nach Angaben von Moneyland nur die effektiven Kosten decken, ein Gewinn wird nicht angestrebt.
Der Dachverband Wohnbaugenossenschaften Schweiz nennt auf seiner Startseite fast 1'300 Mitglieder (Genossenschaften und andere gemeinnützige Wohnbauträger) mit zusammen über 174'000 Wohnungen. Das ist ein beachtlicher Bestand, aber im Verhältnis zur Nachfrage nicht gross.
Warum es nicht einfach ist
Wo viele eine günstige Wohnung suchen und wenige frei werden, wird es eng. Die Leerwohnungsziffer in der Stadt Zürich lag laut Kanton Zürich bei der Zählung 2025 bei 0.10 Prozent, im ganzen Kanton bei 0.48 Prozent. Für die Stadt Bern meldete die städtische Statistik 0.44 Prozent. Je tiefer die Ziffer, desto weniger Auswahl hast du, auch bei Genossenschaften.
Warteliste oder Inserat? Beides kommt vor
Die Genossenschaften handhaben die Vergabe unterschiedlich. Wohnbaugenossenschaften Schweiz rät: Wo es eine Warteliste gibt, lohnt sich eine frühe Anmeldung, und der Eintrag muss meist regelmässig erneuert werden. Andere Genossenschaften führen keine Warteliste mehr und schreiben freie Wohnungen auf ihrer Website aus. Der Zürcher Regionalverband schreibt, die meisten Genossenschaften in der Region führten keine Wartelisten mehr.
Ein konkretes Beispiel ist die ABZ in Zürich: Sie hat keine Warteliste für externe Interessierte. Freie Wohnungen stehen mindestens 24 Stunden auf der ABZ-Website, Bewerbungen laufen über ein Online-Formular, und ein Zufallsgenerator wählt 15 Personen für die Besichtigung aus.
Schritt für Schritt zur Wohnung
So gehst du am besten vor:
- Genossenschaften in deiner Wunschregion finden. Der Dachverband führt eine Mitgliederliste, die regionalen Verbände haben eigene Verzeichnisse und Karten (zum Beispiel Zürich).
- Pro Genossenschaft klären, wie sie vergibt: Warteliste, Inserat auf der eigenen Website, Losverfahren. Das steht meist unter «Wohnen» oder «Mieten».
- Bewerbungsdossier bereithalten: vollständig, aktuell und als PDF (siehe unseren Artikel zur Bewerbung).
- Neubauprojekte im Auge behalten. Wohnbaugenossenschaften Schweiz weist darauf hin, dass Genossenschaften mit grossen Neubauten die meisten Wohnungen zu vermieten haben. Neubauwohnungen sind aber teurer als solche in älteren Häusern.
- Befristete Angebote prüfen. Vor einem Umbau oder Abbruch vermieten Genossenschaften Wohnungen manchmal für einige Monate oder Jahre. Das kann zum Beispiel für Leute in Ausbildung passen.
- Am Genossenschaftsleben teilnehmen. Quartieranlässe, Arbeitsgruppen oder Nachbarschaftshilfe können deine Chancen verbessern, so der Dachverband. Die ABZ schreibt, sie bevorzuge Interessierte, die sich im Siedlungsleben engagieren möchten.
Was es kostet: Anteilkapital
Zur Miete kommt in der Regel Anteilkapital. Bei der ABZ hängt der Betrag von der Wohnungsgrösse ab (zum Beispiel CHF 5'500 für eine 3.5-Zimmer-Wohnung), er wird bis zur Wohnungsübergabe fällig und nach dem Auszug zurückbezahlt, sofern alle Pflichten aus dem Mietverhältnis erfüllt sind. Andere Genossenschaften rechnen anders. Mehr dazu im Artikel zu Anteilscheinen, Belegung und Einkommen.
Regeln, die du kennen solltest
Häufig gilt eine Belegungsregel nach dem Muster «Personen plus eins», du bewirbst dich also nur auf Wohnungen, die zur Haushaltsgrösse passen. Für subventionierte Wohnungen gelten laut dem Zürcher Regionalverband strenge Einkommens- und Vermögenslimiten, die regelmässig kontrolliert werden. Nicht jede Genossenschaftswohnung ist subventioniert; die konkreten Bedingungen stehen im Vermietungsreglement der jeweiligen Genossenschaft.
Realistisch bleiben
Eine Garantie gibt es nicht. Bei Losverfahren hilft vor allem, bei jedem passenden Inserat dabei zu sein. Bewirb dich bei mehreren Genossenschaften, verpasse keine Frist und prüfe die Websites regelmässig. Die Inserate bleiben teils nur kurz online: Der Zürcher Regionalverband schreibt, auf Portalen wie Homegate, Flatfox und Newhome seien sie oft nur 15 bis 30 Minuten sichtbar.
Wohnify ist ein Alert-Dienst für genau diese Situation: Wir beobachten die Websites von Genossenschaften und melden dir neue Inserate per E-Mail. Er kostet CHF 9 pro Monat, die ersten 7 Tage sind gratis. Alles in diesem Ratgeber kannst du aber genauso gut ohne uns tun.
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Häufige Fragen
Muss ich Mitglied sein, um eine Genossenschaftswohnung zu mieten?
Meistens ja, das hängt aber von der Genossenschaft ab. Bei der ABZ macht ein unbefristeter Mietvertrag zum Mitglied, bei befristeten Verträgen wirst du kein Mitglied. Frag bei der jeweiligen Genossenschaft nach.
Gibt es überall Wartelisten?
Nein. Manche Genossenschaften führen eine, viele nicht mehr. Die ABZ hat zum Beispiel keine Warteliste für Externe. Prüfe die Website der Genossenschaft.
Bekomme ich das Anteilkapital zurück?
In der Regel ja. Die ABZ zahlt es nach dem Auszug zurück, sobald alle Pflichten aus dem Mietverhältnis erfüllt sind. Die Regeln stehen in den Statuten der jeweiligen Genossenschaft.
Kann ich Pensionskassengeld für Anteile verwenden?
Laut Moneyland ist ein vorzeitiger Bezug von Geldern aus der zweiten Säule und der Säule 3a für Genossenschaftsanteile möglich. Die genauen Bedingungen klärst du mit deiner Pensionskasse.
Wo finde ich Genossenschaften in meiner Region?
Beim Dachverband Wohnbaugenossenschaften Schweiz und seinen regionalen Verbänden. Sie führen Mitgliederlisten und teils Karten.
Quellen
- Wohnbaugenossenschaften Schweiz: Startseite (Mitglieder, Anzahl Wohnungen)
- Wohnbaugenossenschaften Schweiz: Tipps zur Wohnungssuche
- Wohnbaugenossenschaften Schweiz: Regionalverbände
- WBG Zürich: Tipps zur Wohnungssuche
- WBG Zürich: Karte der gemeinnützigen Wohnbauträger
- ABZ: Freie Mietobjekte und Vergabe
- ABZ: Häufige Fragen
- Moneyland: Wohnbaugenossenschaft – Definition
- Kanton Zürich: Leerwohnungsziffer fällt unter 0,5 Prozent (Medienmitteilung, 14.8.2025)
- Stadt Bern: «Leerwohnungsziffer bleibt unverändert bei 0,44 Prozent» (Medienmitteilung Statistik, 2025)
Stand der Quellen: Oktober 2026. Regeln und Beträge ändern sich; verbindlich sind die Angaben der jeweiligen Genossenschaft.
Weitere Artikel findest du im Ratgeber.